PR Agentur vs. Inhouse: Diese 7 Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg

Die 50.000-Euro-Frage: Externe Agentur oder internes Team?
Ein Startup mit 15 Mitarbeitern fragt: "Sollen wir eine PR-Agentur beauftragen oder lieber intern jemanden einstellen?" Ein Konzern mit 5.000 Angestellten stellt dieselbe Frage. Die Antwort ist grundlegend verschieden – und doch entscheiden beide nach den gleichen sieben Faktoren.
Nach 15 Jahren in der Unternehmenskommunikation und fünf Jahren mit Heldenmood habe ich diese Entscheidung dutzende Male gestellt bekommen und die Antwort darauf live erlebt. Manche Unternehmen treffen sie richtig, andere verbrennen fünfstellige Summen oder verspielen Jahre wertvoller Marktchancen.
Faktor 1: Budget und Kostentransparenz
Die wahren Kosten einer PR-Agentur
Eine durchschnittliche PR-Agentur kostet zwischen 3.000 und 15.000 Euro monatlich. Premium-Agenturen mit hochdekorierten Ex-Kommunikationschefs von DAX-Konzernen liegen bei 20.000 bis 50.000 Euro. Diese Zahlen sind transparent und planbar.
Doch Vorsicht: Viele Agenturen rechnen nach Stunden ab. Ein erfahrener Senior Consultant kostet 150-200 Euro pro Stunde. Bei 40 Stunden im Monat sind das bereits 6.000-8.000 Euro – ohne Strategie, ohne Erfolgsmessung.
Die versteckten Kosten von Inhouse-PR
Ein Senior PR-Manager kostet Ihr Unternehmen mindestens 80.000 Euro jährlich:
- Bruttogehalt: 60.000-70.000 Euro
- Arbeitgeberkosten: 20-25 Prozent
- Bürokosten: 500-800 Euro monatlich
- Tools und Software: 200-500 Euro monatlich
- Weiterbildung: 2.000-5.000 Euro jährlich
Rechnen Sie mit 90.000-100.000 Euro Gesamtkosten für einen erfahrenen PR-Profi. Ein Junior kostet weniger, bringt aber deutlich weniger Expertise mit.
Der Kostenvorteil entscheidet sich an der Skalierung
Bei einem PR-Budget unter 60.000 Euro jährlich gewinnt meist die Agentur. Darüber wird Inhouse interessant – wenn Sie die richtige Person finden.
Faktor 2: Expertise und Spezialisierung
Agenturen bringen Branchen-Know-how
Eine spezialisierte PR-Agentur arbeitet mit mehreren Kunden aus ähnlichen Branchen. Sie kennt die Medienlandschaft, wichtige Journalisten und erfolgreiche Narrative.
Beispiel aus der Praxis: Ein Fintech-Startup beauftragte uns nach zwei Jahren erfolgloser Inhouse-PR. Innerhalb des ersten Monats platzierten wir sie in Medien wie Capital. Der Unterschied: Wir kannten die richtigen Journalisten und deren bevorzugte Story-Angles.
Inhouse-Teams verstehen das Geschäft
Ein interner Kommunikator lebt das Unternehmen täglich. Er versteht Produktentwicklung, interne Prozesse und kann authentischer kommunizieren.
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Die Expertise-Falle
Viele Unternehmen glauben, sie könnten PR-Expertise günstig einkaufen. Ein Junior mit zwei Jahren Erfahrung für 45.000 Euro Jahresgehalt wird selten dieselben Ergebnisse erzielen wie eine erfahrene Agentur.
Faktor 3: Verfügbarkeit und Reaktionszeit
Inhouse: Immer verfügbar, sofort reaktionsfähig
Wenn der CEO eine spontane Pressekonferenz einberuft oder eine Krise ausbricht, ist das interne Team sofort da. Keine Abstimmungsschleifen, keine Verzögerungen.
Bei einem unserer Kunden brach an einem Freitagnachmittag eine Shitstorm aus. Das interne Team konnte binnen zwei Stunden reagieren, während die externe Agentur erst am Montag verfügbar war.
Agenturen: Begrenzte Kapazitäten
Externe Dienstleister haben andere Kunden. In kritischen Situationen konkurrieren Sie um Aufmerksamkeit und Kapazitäten.
Faktor 4: Unternehmensgröße und Kommunikationsvolumen
Bis 50 Mitarbeiter: Meist externe Lösung
Kleinere Unternehmen haben selten genug Kommunikationsvolumen für einen Vollzeit-PR-Profi. Eine Teilzeit-Kraft oder Agentur ist meist effizienter.
50-500 Mitarbeiter: Der kritische Bereich
Hier entscheidet die Branche. B2B-Software-Unternehmen brauchen andere PR-Strategien als Consumer-Brands. Technische Produkte erfordern spezialisierte Fachkommunikation.
Über 500 Mitarbeiter: Hybride Modelle gewinnen
Große Unternehmen kombinieren meist beides: Ein internes Team für tägliche Aufgaben und externe Spezialisten für Kampagnen oder Krisenkommunikation.
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Faktor 5: Strategische Kontrolle und Markenkonsistenz
Interne Teams denken langfristig
Ein interner Kommunikator plant in Quartalen und Jahren. Er entwickelt konsistente Narrative und baut systematisch Markenbekanntheit auf.
Agenturen optimieren oft kurzfristig
Externe Dienstleister müssen schnell Ergebnisse liefern. Das führt manchmal zu taktischen Maßnahmen ohne langfristige Markenstrategie.
Faktor 6: Technologie und Tools
Agenturen haben bessere Tools
Agenturen verstehen sich häufig besser auf digitale Tools, weil es häufig interne Experten gibt, die einen Hang zur Technologie haben. Außerdem investieren sie häufiger in Tools.
KI verändert die Spielregeln
KI ersetzt keine guten PR-Leute. Sie macht schlechte überflüssig.
KI-Tools demokratisieren PR-Arbeit. Ein interner Mitarbeiter kann heute mit ChatGPT, Claude und spezialisierten PR-Tools ähnliche Ergebnisse erzielen wie kleine Agenturen. Vorausgesetzt, er verbringt nicht die ganze Zeit mit internen Meetings.
Faktor 7: Messbarkeit und Erfolgskontrolle
Interne Teams messen anders
Interne Kommunikatoren fokussieren auf langfristige KPIs: Markenbekanntheit, Thought Leadership, Candidate Experience. Sie optimieren für Unternehmensziele, nicht für Agentur-Reporting.
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Agenturen liefern detaillierte Reports
Externe Dienstleister müssen ihre Leistung beweisen. Sie liefern umfassende Reports mit Clipping-Zahlen, Reichweiten und Media-Werten. Hier sollten Sie von den Agenturen verlangen, Reportings zu erstellen, die den Effekt für Ihr Unternehmen messen.
Wann macht welche Lösung Sinn?
Wählen Sie eine externe PR-Agentur, wenn:
- Ihr Kommunikationsbudget unter 60.000 Euro jährlich liegt
- Sie in einer spezialisierten Nische arbeiten (Medtech, Fintech, etc.)
- Sie kurzfristig Marktpräsenz aufbauen müssen
- Ihnen interne Expertise fehlt
- Sie projektbasiert arbeiten (Produktlaunch, IPO, etc.)
Setzen Sie auf Inhouse-PR, wenn:
- Ihr Kommunikationsbudget über 80.000 Euro jährlich liegt
- Sie komplexe, erklärungsbedürftige Produkte haben
- Schnelle Reaktionsfähigkeit kritisch ist
- Sie langfristige Markenstrategie aufbauen wollen
- Interne Stakeholder-Kommunikation wichtig ist
Kombinieren Sie beide Ansätze, wenn:
- Sie über 500 Mitarbeiter haben
- Verschiedene Zielgruppen bedienen (B2B und B2C)
- Regional und international agieren
- Sowohl laufende als auch projektbasierte PR brauchen
Die häufigsten Entscheidungsfehler
Fehler 1: Budget als einziges Kriterium
Die günstigste Option ist selten die beste. Ein schlecht bezahlter Junior oder eine billige Agentur kostet durch verpasste Chancen mehr als eine teure, aber effektive Lösung.
Fehler 2: Fehlende Zielsetzung
Ohne klare Kommunikationsziele können Sie keine fundierte Entscheidung treffen. Definieren Sie erst Ihre Ziele, dann die passende Struktur.
Fehler 3: Unrealistische Erwartungen
PR braucht Zeit. Weder eine Agentur noch ein interner Mitarbeiter wird binnen vier Wochen Ihre Markenbekanntheit revolutionieren.
Praktische Entscheidungshilfe
Beantworten Sie diese Fragen für eine fundierte Entscheidung:
- Budget: Wie viel können Sie jährlich für Kommunikation investieren?
- Ziele: Was wollen Sie kommunikativ erreichen?
- Timeline: Wie schnell brauchen Sie Ergebnisse?
- Expertise: Welche PR-Erfahrung haben Sie intern?
- Volumen: Wie viel Kommunikation fällt täglich an?
- Kontrolle: Wie wichtig ist Ihnen strategische Kontrolle?
- Skalierung: Wie wird sich Ihr Kommunikationsbedarf entwickeln?
Die Zukunft: Hybride Modelle dominieren
Die Zukunft gehört hybriden Lösungen. Smarte Unternehmen kombinieren interne strategische Führung mit externer operativer Unterstützung.
PR Strategie 2026: Warum KI-Integration und CEO-Positionierung die Kommunikation revolutionieren
Ein schlankes internes Team (1-2 Personen) steuert Strategie und Markenkonsistenz. Externe Spezialisten übernehmen projektbasierte Aufgaben: Krisenkommunikation, Influencer Relations oder technische PR.
Mein Fazit nach 15 Jahren
Es gibt keine Universallösung. Die richtige Entscheidung hängt von Ihrer spezifischen Situation ab.
Meine Empfehlung: Starten Sie klein und skalieren Sie nach Erfolg. Ein guter externer Partner kann Ihnen beim Aufbau interner Strukturen helfen. Ein gutes internes Team kann externe Spezialisten zielgerichtet einsetzen.
Die schlechteste Option: Halbherzige Lösungen. Weder ein unterbezahlter Junior noch eine billige Agentur wird Ihre Kommunikationsziele erreichen.
Investieren Sie in Qualität – intern oder extern. Ihre Marke wird es Ihnen danken.

Christian Bölling
PR-Experte und Gründer von Heldenmood
Gründer von Heldenmood, davor Head of Corporate Communications bei einem der größten Händler Europas. Stehe für zeitgemäße PR.